Ausstellungen

Ein Blick in die Zimmerecke

Petra Fiebig

Ein Blick in die Zimmerecke

Die Werke von Petra Fiebig bewegen sich zwischen Skulptur und Zeichnung, denn die Alltagsobjekte werden zeichnerisch auf Leinwand und Papierkuben in Originalgröße erfasst. Das birgt einen Irritationsfaktor, da die Zeichnung traditionell ein intimes Format ist, bei dem Objekte, Personen und Landschaften in verkleinertem Maßstab wiedergegeben werden. Die Inszenierung der Arbeiten im Raum unter Einbeziehung realer Gegenstände und der vorhandenen Architektur erzeugt ein Wechselspiel zwischen Zwei- und Dreidimenstionalität sowie zwischen Kunst und Alltag. Das Fehlen von Farbigkeit in Verbindung mit einer detailreichen Darstellung der Objekte verändert die Wahrnehmung von Oberflächen, Materialität und Stofflichkeit.

Während in virtuell generierten Bildwelten eine größtmögliche Illusion von Realität angestrebt wird, gepaart mit der Unmöglichkeit der physischen Raumerfahrung, geht Petra Fiebig den umgekehrten Weg. Die Begegnung mir abstrahierten Objekten wird im realen Raum zu einem Erlebnis, das nicht nur über den Sehsinn erfolgt, sondern die körperliche Wahrnehmung über die Bewegung im Raum einbezieht. Mit minimalen Materialaufwand und zeichnerischen Akkuratesse ermöglicht die Künstlerin einen Blick auf die alltägliche häusliche Umgebung, der Distanz schafft zu Objektfetischismus und Massenprodukten.

Petra Fiebig lebt und arbeitet in Bremen.

Eröffnung: Freitag, 8. Juli 2022, 19.00 Uhr
Begrüßung: Bürgermeister Frank Prüße
Einführung: Julienne Franke, Städtische Galerie Lehrte

Dauer der Ausstellung: bis 11. September 2022
Öffnungszeiten: Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag und Sonntag von 14.00 - 18.00 Uhr

Künstleringespräch: Sonntag, 11. September 2022, 16.00 Uhr


Vorschau

Zapomnēni / Vergessen
Jana Kasalová, Lena Knilli, Sybille Loew, Katerina Šedá

Vier künstlerische Positionen aus Tschechien, Österreich und Deutschland befassen sich mit verschiedenen Konzepten und Medien mit dem Thema "Vergessen und Erinnern". Die Dimension des Vergessens im individuellen wie familiären Kontext, hinsichtlich gesellschaftlicher und politischer Veränderungen zu betrachten, macht den Einfluss des Gedächtnisses auf das Dasein und die Identität des Einzelnen bis hin zu Staaten sichtbar.

Jana Kasalová beschäftigt sich mit Ortsbezeichnungen, die als Erinnerungsträger fungieren, aber je nach politischer Situation austauschbar bzw. zerstörbar sind. Im tschechisch-deutschen Grenzgebiet haben Namen Spuren hinterlassen, obwohl die Dörfer und ihre Bevölkerung nicht mehr existieren. Lena Knilli verbindet wissenschaftliche mit künstlerischen Ausdrucksformen zu einer Anatomie des Vergessens. Für ihre Collagen nutzt sie Scans des menschlichen Gehirns, die physiologische Veränderungen des Gewebes bei Demenzerkrankungen zeigen. Sybille Loew stickt die Namen, das Alter und Sterbedatum von anonym verstorbenen und beerdigten Menschen auf kleine Schilder. Damit schafft sie einen Anlass zum Nachdenken über die Vereinzelung des Menschen in der globalisierten Gesellschaft und zum Gedenken. Katerina Šedá hat ein Zeichenprojekt mit ihrer Großmutter Jana durchgeführt, die nach ihrer Pensionierung und dem Tod ihres Ehemanns in Lethargie verfallen war. Aus der Erinnerung entstanden einfache Zeichnungen, die den Lagerbestand des Haushaltswarengeschäfts rekonstruierten, in dem die Großmutter 33 Jahre tätig gewesen war.

Nach Stationen im Künstlerhaus Wien und im Österreichischen Kulturforum in Prag ist die Ausstellung erstmals in Deutschland in der Städtischen Galerie Lehrte zu sehen.

Eröffnung: Freitag, 16. September 2022, 19.00 Uhr
Dauer der Ausstellung: bis 21. November 2022

Die Ausstellung wird gefördert durch die Niedersächsische Sparkassenstiftung und die Sparkasse Hannover.